Kurz eingeordnet: Beim berittenen Bogenschießen wird im Galopp auf feste oder bewegte Ziele geschossen – in modernen Formen nach ungarischem, koreanischem oder japanischem Vorbild (Yabusame).
| Bogen | Meist kompakter Kompositbogen/Recurve (historisch eurasische Reiterbögen) |
|---|---|
| Ungarische Form | Regelwerk von Kassai Lajos, späte 1980er-Jahre; 90-m-Bahn |
| Koreanische Form | Fünf Disziplinen; Einzelschuss auf 90-m-Bahn, 16-Sekunden-Limit je Ritt |
| Japanische Formen | Kasagake, Yabusame, Inuoumono |
| Verbände | WFEA (1994), WHAF (2004), IHAA (2013) |
| Frauen bei Yabusame | Bis 1963 ausgeschlossen, dann erste Vorführung |
| Frühe Belege | Neuassyrische Kunst, ca. 9. Jh. v. Chr. |
Von den Reitervölkern zum Sport
Schießen vom Pferd ist ein uraltes Kriegshandwerk. Nomadenvölker Eurasiens und Iraner nutzten es in der Antike, später Ungarn, Mongolen, Chinesen und Turkvölker. Die ersten Darstellungen stammen aus neuassyrischer Kunst um das 9. Jahrhundert vor Christus. Auch in Nord- und Südamerika entstand die Technik unabhängig, nachdem Pferde eingeführt wurden; die Comanchen waren besonders versiert. Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen schwand die Bedeutung, regional hielt sie sich bis ins 18. und 19. Jahrhundert.
Das heutige Sportbild ist maßgeblich durch Kassai Lajos geprägt, der in den späten 1980er-Jahren ein Wettkampfregelwerk entwickelte. Ab den 1990ern verbreitete es sich von Ungarn aus über Europa, die USA und Kanada.
Formen im Vergleich
Die ungarische Variante nutzt eine 90 m lange Bahn, die Schützen nehmen Pfeile aus der Bogenhand. Die koreanische Form kennt fünf Disziplinen. Beim Einzelschuss liegt das Ziel 5 bis 10 m seitlich der 90-m-Bahn, es gibt Wertungen bis fünf Punkte, jeder der zwei Ritte muss binnen 16 Sekunden gelingen. Beim Serienschuss stehen fünf Ziele auf 110 m, beim Mogu wird eine Kugel gezogen, die ein zweiter Reiter beschießt. In den USA mischen Wettbewerbe die koreanische, ungarische und persische (Qabaq) Form.
In Japan stehen die Formen Kasagake, Yabusame und Inuoumono im Vordergrund. Beim Yabusame schießt ein Reiter in traditioneller Kleidung im Galopp auf Holztafeln; Frauen waren bis 1963 ausgeschlossen. Genaue Bahn- und Wertungsdetails nennt die Quelle nicht, sie sollten bei den Verbänden nachgesehen werden.
Ausrüstung und Einordnung
Der typische Bogen ist kurz und leicht. Eurasische Reiter nutzten einen Kompositbogen mit Recurve-Profil, der sich im Sattel handhaben ließ. Moderne Schützen verwenden entsprechende Nachbauten aus faserverstärkten Materialien. Gezielt wird instinktiv, ohne Visier; der Schuss muss im Takt der Pferdebewegung fallen. Das macht die Disziplin technisch anspruchsvoll, weil Reiten und Schießen gleichzeitig beherrscht werden müssen.
Wer sich für den Sport interessiert, beginnt am Boden, mit Bogen, Haltung und Auszug, und kombiniert das erst später mit dem Reiten. Zu den internationalen Verbänden zählen WFEA (1994), WHAF (2004) und IHAA (2013); Anbieter und Kurse unterscheiden sich stark in Qualität und Sicherheitskonzept, ein Blick auf Erfahrung und Versicherung lohnt sich.
Für wen passt das?
- Du reitest und möchtest Pferd und Bogen verbinden
- Du interessierst dich für Kompositbögen und historische Techniken
- Du schießt gern instinktiv in Bewegung