Tuning & Pflege

Bogensehne pflegen und wechseln

· Redaktion Bogensportler

Hand zeigt auf die Sehne und Cams eines blauen Compoundbogens

Du wechselst eine Bogensehne, wenn sie sichtbar ausgefranst ist, die Wicklung aufgeht oder sie nach Herstellerangabe das Wechselintervall erreicht hat; bei Recurves reicht dafür ein Bogenspanner, bei Compounds gehört der Wechsel auf die Bogenpresse beim Fachhändler.

Kurz zusammengefasst

Eine Sehne arbeitet unter Dauerlast und verschleißt auch ohne Schuss. Hoyt empfiehlt für Compound-Sehnen und Cables, sie zu ersetzen, wenn Verschleiß sichtbar ist oder spätestens alle zwei Jahre bei normaler Nutzung. Gewachst wird laut Hoyt etwa alle zwei Wochen bei intensiver Nutzung. Ein Sehnenhersteller gibt für Zielbögen ein Jahr Lebensdauer und etwa 2.000 bis 2.500 Schuss an. Nach jedem Wechsel stellst du Standhöhe und Nockpunkt neu ein und prüfst, ob der Bogen so schießt wie vorher.

Wie oft musst du die Sehne wechseln?

Wie oft du die Sehne wechselst, hängt von Nutzung, Material und Pflege ab; verlässlich sind nur Verschleißzeichen und Herstellerangaben. Eine feste Zahl gibt es nicht, aber drei Orientierungswerte:

  • Hoyt: Compound-Sehne und Cables ersetzen, wenn Verschleiß sichtbar ist oder alle zwei Jahre bei normaler Nutzung.
  • 60X Custom Strings: bei Zielbögen etwa einmal im Jahr; bei richtiger Lagerung halten Sehnen zwei bis drei Jahre, bei falscher Lagerung weniger als die Hälfte.
  • Faustwert aus derselben Quelle: etwa 2.000 bis 2.500 Schuss bei guter Pflege.

Konstante Spannung dehnt und scheuert das Material auch dann, wenn du den Bogen nicht schießt. Wer regelmäßig trainiert, erreicht die Schusszahl entsprechend schneller als der Gelegenheitsschütze.

Verschleißzeichen Bedeutung Maßnahme
Einzelne Fäden stehen ab (Ausfransen) Material scheuert, oft an Nockpunkt oder Mittelwicklung Sehne ersetzen; Hoyt: ausgefranste Sehnen austauschen
Wicklung (Mittelwicklung) löst sich Schutz der Nockstelle geht verloren Neu wickeln lassen oder Sehne wechseln
Sehne wirkt trocken und fusselig Wachs fehlt Nachwachsen; Hoyt: regelmäßig leicht wachsen
Standhöhe verändert sich ständig Sehne längt sich Standhöhe neu einstellen, Sehne prüfen

Als Entscheidungsregel hilft diese Reihenfolge: Ist nur das Wachs aufgebraucht, reicht Nachwachsen. Ist die Mittelwicklung locker, aber das Fasergewebe darunter intakt, lässt du sie neu wickeln. Sind Fäden der Sehne selbst gerissen oder ausgefranst, tauschst du die ganze Sehne, denn eine geschwächte Sehne kann unter Last reißen. Ein typischer Denkfehler ist, eine fusselige Sehne nur zu wachsen und weiterzuschießen: Wachs bindet lose Fäden, ersetzt aber keine gerissenen.

Wie wechselst du die Sehne beim Recurve?

Beim Recurve wechselst du die Sehne mit einem Bogenspanner, der die Wurfarme sicher entlastet. Der Ablauf ist kurz, aber die Reihenfolge entscheidet über Sicherheit und Ergebnis:

  1. Bogen mit dem Spanner so weit entlasten, dass sich die alte Sehne aus den Nockrillen lösen lässt.
  2. Alte Sehne abnehmen, neue Sehne mit der Schlaufe zuerst am unteren, dann am oberen Wurfarm einhängen.
  3. Sehne zentriert in die Nockrillen setzen und prüfen, ob sie gerade über Wurfarmschrauben und Stabilisator läuft.
  4. Nockpunkt neu setzen oder von der alten Sehne übertragen und Standhöhe messen.
  5. Verdrehungen anpassen, bis die Standhöhe im Herstellerbereich liegt, danach einige Pfeile einschießen.

Neue Sehnen werden vor dem ersten Schuss zunächst nur eingewachst und bei Bedarf eingedreht. Die Menge der Verdrehungen bestimmt, wie lang die Sehne wirkt; sie senkt oder hebt die Standhöhe, wie es im Artikel zum Nockpunkt beschrieben ist.

Warum gehört der Compound-Wechsel auf die Bogenpresse?

Beim Compound ist die Sehne mit Cams, Cables und Zugsystem verbunden und wird erst unter Spannung stimmig; deshalb gehört der Wechsel auf die Bogenpresse eines Fachhändlers. 60X Custom Strings hält eine Bogenpresse für fast immer vorteilhaft, weil sie den Bogen sichert und mehr Kontrolle gibt.

Hoyt schreibt in seiner Anleitung, ein Bogen dürfe nur von einem erfahrenen Techniker in eine Bogenpresse gelegt werden; zu verwenden sei eine Doppelpresse, eine Einfach-Presse nie. Bogenarbeiten, die eine Presse erfordern, soll ein autorisierter Hoyt-Fachhändler ausführen. Das gilt für Sehnen und Cables, weil beim Entspannen große Kräfte frei werden.

Wichtiger Hinweis

Spanne nie einen Compoundbogen ohne Presse selbst um und schieße nie ohne Pfeil ab. Hoyt warnt ausdrücklich vor „Dry Fire“, also dem Lösen ohne aufgelegten Pfeil, weil dabei Bogen beschädigt werden können und Menschen in der Nähe gefährdet werden. Eine ausgefranste Sehne lässt du vor dem Schießen ersetzen.

Wie pflegst du die Sehne richtig?

Du pflegst die Sehne mit Sehnenwachs, das du dünn in die Fäden einarbeitest. Hoyt empfiehlt, Sehne und Cables regelmäßig leicht zu wachsen, bei intensiver Nutzung etwa alle zwei Wochen. Sehnenwachs schützt die Fasern vor Feuchtigkeit und Reibung und bindet die Fäden zusammen.

  • Wachs mit den Fingern in die Sehne reiben, bis sie leicht glänzt, nicht klebrig wird.
  • Die Mittelwicklung und die Nockstelle besonders beachten, hier scheuert es am meisten.
  • Nach Regen die Sehne trocknen lassen, aber nie mit direkter Hitze.
  • Sehne und Cables nur im ungespannten Zustand an der Nockstelle auf Fäden prüfen.
Praxis-Tipp aus der Redaktion

Lege zwei bis drei Wochen vor einem Wettkampf eine Ersatzsehne bereit und schieße sie vorher ein. Eine neue Sehne verhält sich in den ersten Schüssen anders als eine eingeschossene, du musst Standhöhe und Nockpunkt kontrollieren. Notiere Standhöhe und Anzahl der Verdrehungen der alten Sehne, damit du die neue schnell auf dieselben Werte bringst.

Welche Rolle spielen Material und Lagerung?

Material und Lagerung bestimmen die Lebensdauer. Zielbogensehnen bestehen aus hochfesten Fasern, die kaum dehnen; sie sind empfindlicher gegen Reibung und Knicken. Lagere den Bogen so, dass die Sehne nicht an harten Kanten scheuert, und beachte die Hinweise im Bereich Tuning & Pflege. Bei Compounds gilt zusätzlich: Verwende Sehnen und Cables nur in der vom Hersteller vorgegebenen Ausführung. Mehr zur Bauart findest du im Kompendium unter Compoundbogen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wechsle ausgefranste oder durch Wicklungsschäden beschädigte Sehnen sofort.
  • Hoyt: Compound-Sehne und Cables bei Verschleiß oder alle zwei Jahre ersetzen, alle zwei Wochen wachsen bei intensiver Nutzung.
  • Zielbogen: etwa einmal im Jahr, rund 2.000 bis 2.500 Schuss bei guter Pflege.
  • Recurve: Bogenspanner verwenden, danach Standhöhe und Nockpunkt neu einstellen.
  • Compound: Wechsel auf der Doppel-Bogenpresse beim Fachhändler.

Häufige Fragen

Wie wachse ich die Sehne richtig?

Mit einem Stück Sehnenwachs, das du entlang der Sehne in die Fäden reibst, bis sie leicht glänzt. Zu viel Wachs macht die Sehne klebrig und zieht Schmutz an.

Kann ich die Sehne einfach von einem anderen Bogen nehmen?

Nur, wenn Länge, Strangzahl und Nockstelle passen. Maßgeblich sind die Angaben des Bogenherstellers auf dem Wurfarm.

Brauche ich nach dem Sehnenwechsel neue Pfeile?

Nein, aber du musst Standhöhe, Nockpunkt und gegebenenfalls Visier neu kontrollieren, weil sich der Pfeilflug leicht verändert.

Warum darf ich den Compound nicht selbst ohne Presse entspannen?

Weil Cams und Cables gespannt sind und beim Lösen Kräfte freigeben, die zu Verletzungen führen können. Hoyt schreibt eine Doppelpresse und einen erfahrenen Techniker vor.

Quellen

Stand: Oktober 2026