Kurz eingeordnet: Der Compoundbogen ist ein Rollenbogen mit exzentrischen Cams: Er baut hohe Kraft auf, entlastet im vollen Auszug stark (Let-off) und wird mit Visier, Peep und meist Release geschossen.
| Erfinder | Holless Wilbur Allen, USA; Entwicklung ab 1966 |
|---|---|
| Patent | US-Patent Nr. 3.486.495, erteilt am 30. Dezember 1969 |
| Funktionsprinzip | Exzentrische Rollen (Cams) an den Wurfarmenden mit Kabeln; nicht-linearer Kraftverlauf |
| Let-off | Je nach System bis rund 80 %; frühe Vierrollen-Modelle nur etwa 33–36 % |
| Typische Ausrüstung | Visier mit Vergrößerungslinse (4x bis 8x üblich), Peep in der Sehne, Stabilisator, Release |
| IBO-Referenzwerte | 70 lbs Zuggewicht, 30 Zoll Auszug, 350-Grain-Pfeil (für Geschwindigkeitsangaben) |
| Olympisch | Bisher kein Compound-Wettbewerb; für 2028 ist laut Programmübersicht ein Team-Wettbewerb vorgesehen |
Eine Erfindung aus den 1960ern
Der Compoundbogen ist vergleichsweise jung. Holless Wilbur Allen entwickelte ihn ab 1966 in den USA, das Patent mit der Nummer 3.486.495 wurde am 30. Dezember 1969 erteilt. Der Name führt manchmal in die Irre: „Compound“ steht für Verbund im Sinne des Kraftsystems, nicht für den Werkstoff. Mit dem Kompositbogen aus Holz, Horn und Sehnen hat er nichts zu tun. Auch das Flaschenzug-Bild, das häufig bemüht wird, passt nur auf frühe Modelle mit mehr als zwei Rollen.
Cams, Kabel und der Moment im Auszug
An den Wurfarmenden sitzen exzentrisch gelagerte Rollen mit zwei Durchmessern. Beim Spannen läuft die Sehne vom großen Durchmesser ab, während das Kabel auf den kleinen aufwickelt. So verändert sich der Hebelarm während des Auszugs. Die Kraft steigt zunächst an, erreicht ein Maximum und fällt dann deutlich ab. Im vollen Auszug hältst du nur noch einen Bruchteil des Spitzenwerts; bei einem 50-lbs-Bogen mit rund 70 % Let-off bleiben etwa 15 bis 20 lbs. Genau diese Entlastung erlaubt ruhiges, langes Zielen.
Zur Standardausstattung zählen ein Visier mit Linse, ein Peep in der Sehne zur Referenz des Auges, ein Stabilisator, eine Pfeilauflage und häufig ein Release. Dieses mechanische Auslösegerät reduziert das Pfeilzittern und die Gefahr, dass Kabel von den Cams springen. Am Valley, dem Punkt kurz nach dem Kraftgipfel, spürst du die Entlastung.
Abgrenzung zu Recurve und Blankbogen
Im Vergleich zum olympischen Recurve verlangt der Compound weniger Haltekraft, dafür mehr Wartung: Cams, Kabel und Sehne müssen aufeinander abgestimmt und regelmäßig geprüft werden, die Einstellarbeit gehört meist in die Hände einer Fachwerkstatt mit Bogenpresse. Nach den Regeln von World Archery ist der Compound eine eigene Division; ein Compound ohne Visier gilt dort nicht als Blankbogen, einzelne nationale Verbände erkennen das dagegen an.
Olympisch war der Compound bisher nicht. Er ist aber fest im Wettkampfsystem der Verbände verankert, im Freien in der Regel auf Scheiben mit 80 cm Durchmesser und 50 m Entfernung. Auch im 3D- und Feldbogensport hat er eigene Klassen mit Grenzen für Zuggewicht und Pfeildurchmesser.
Für Einsteiger lohnt es sich, erst mit einem Leihbogen zu klären, ob Rollensystem und Release passen. Die richtige Auszugslänge ist beim Compound besonders kritisch, weil sie durch die Cams fest vorgegeben ist und sich nicht einfach durch Weiterziehen anpassen lässt.
Für wen passt das?
- Du willst mit wenig Haltekraft präzise und ruhig zielen
- Du schraubst gern und bist bereit, Cams und Kabel fachgerecht warten zu lassen
- Du planst Feld-, 3D- oder Scheibenwettkämpfe in der Compound-Division