Kurz eingeordnet: Der Yumi ist der japanische Langbogen des Kyūdō: asymmetrisch, aus laminiertem Bambus und Holz, mit einem Griff im unteren Bereich des über zwei Meter langen Bogens.
| Herkunft | Japan; Bögen sind dort seit dem 3. Jahrhundert belegt |
|---|---|
| Bauweise | Holzkern mit mehreren laminierten Bambusschichten, lackiert und teils mit Rattan umwickelt |
| Form | Asymmetrisch: Griff teilt den Bogen in einen kürzeren unteren und längeren oberen Teil |
| Standardlänge (Namisun) | Ca. 2,21 m |
| Zugehörige Pfeile (ya) | Bambusschaft, Befiederung mit Adler-, Habicht-, Kranich- oder Pfauenfedern |
| Verwendung | Kyūdō, Zeremonien und Prüfungen |
| Visier | Nein |
Ein Bogen mit Geschichte
Bögen sind in Japan seit dem 3. Jahrhundert in Gebrauch und bestanden zunächst aus unbehandeltem Holz. Aus dieser Linie entwickelte sich der Yumi, der später zum Kennzeichen der Kriegerkaste wurde. Heute wird er überwiegend im Kyūdō geschossen, dem „Weg des Bogens“. Die Technik ist über Jahrhunderte gewachsen, vom Kriegshandwerk (Kyūjutsu) zur Kunst mit eigener Etikette.
Gebaut wird ein Yumi nicht aus einem Stück. Um einen Holzkern liegen mehrere Schichten Bambus, die verleimt werden. Der Bogen wird lackiert und teilweise mit Rattan umwickelt, was ihn belastbarer macht als ein einfacher Holzbogen und ihm sein charakteristisches Äußeres gibt. Weil er aus mehreren Werkstoffen besteht, zählt er zu den Kompositbögen.
Die asymmetrische Form
Auffällig ist die Geometrie: Der Griff teilt den Bogen nicht in der Mitte, sondern in einen kürzeren unteren und einen deutlich längeren oberen Teil. Standardlängen gehen bis etwa 2,21 m (Namisun). Die Quelle nennt keinen Grund für diese Aufteilung; wichtig ist, dass du sie beim Einstellen von Stand und Auszug mitdenkst. Die Handhabung ist ungewohnt: Der Bogen dreht sich beim Lösen in der Hand, und der Pfeil liegt rechts vom Bogen, was das Schießen deutlich von westlichen Verfahren unterscheidet.
Die Pfeile, ya genannt, bestehen aus Bambus und sind mit Federn von Adler, Habicht, Kranich oder Pfau befiedert. Spitzen werden von Spezialschmieden gefertigt. Im Training verwenden Anfänger meist leichtere Bögen und Standardpfeile.
Vergleich zu westlichen Bogenarten
Zum olympischen Recurve besteht ein großer Unterschied: Der Yumi hat weder Visier noch Stabilisator, und der Bogen wird vor dem Auszug über den Kopf gehoben. Gegenüber dem englischen Langbogen ist er asymmetrisch und gleichzeitig laminiert. Wer sich für Kyūdō interessiert, sollte das Material zunächst vom Verein leihen. Ein eigener Yumi lohnt sich erst, wenn Auszug und Zuggewicht feststehen, denn die Bögen sind fachlich aufwendig gefertigt und nur eingeschränkt anpassbar.
Pflege und Lagerung folgen eigenen Regeln: Lackierter Bambus reagiert auf Feuchte und Hitze, deshalb wird der Bogen nach dem Schießen entspannt und trocken gelagert. Fragen dazu beantworten Dojo-Lehrer, die den Bogen kennen und regelmäßig prüfen.
Für wen passt das?
- Du möchtest Kyūdō lernen und suchst Orientierung zum Bogen
- Du interessierst dich für Kompositbauweise und japanische Handwerkskunst
- Du schießt gern ohne Visier mit klarem Zeremoniell