Kurz eingeordnet: Der Reiterbogen ist ein kompakter Kompositbogen aus Holzkern, Horn und Sehnen, der sich vom Pferd schießen lässt; moderne Sportbögen übernehmen sein Reflex-Profil.
| Bauart | Kompositbogen aus Holzkern, aufgeklebtem Horn und Sehnenbelag; Recurve-Profil |
|---|---|
| Historischer Einsatz | Eurasische Reitervölker, in der Antike und im Mittelalter |
| Frühe Belege | Neuassyrische Kunst, etwa 9. Jh. v. Chr. |
| Empfindlichkeit | Bei sehr feuchtem Wetter kaum zu gebrauchen |
| Moderne Ungarische Form | Regelwerk von Kassai Lajos, späte 1980er-Jahre; 90-m-Bahn |
| Koreanische Form | Fünf Disziplinen, Einzelschuss auf 90-m-Bahn mit 16-Sekunden-Limit |
| Verbände | WFEA (1994), WHAF (2004), IHAA (2013) |
Gebaut für den Sattel
Ein Reiterbogen muss kurz sein, damit er neben dem Pferdekörper nicht anstößt, und trotzdem Kraft liefern. Diese Aufgabe löste die Kompositbauweise: Auf einen Holz- oder Bambuskern wurden Hornstreifen auf die Bauchseite und ein Sehnenbelag auf den Rücken geklebt. So wird der Bogen leichter, schneller und haltbarer als ein reiner Holzbogen gleicher Länge. Die Kehrseite ist der Aufwand. Ein einziges Exemplar kann die Achillessehnen von rund fünfzig Rindern erfordern, und feuchtes Wetter setzt dem Leim zu.
Die frühesten Darstellungen von Reiterbogenschützen stammen aus neuassyrischer Kunst um das 9. Jahrhundert vor Christus. Für eurasische Nomadenvölker, später für Ungarn, Mongolen, Chinesen und Turkvölker, war er ein bestimmendes Merkmal. Mit der Verbreitung von Feuerwaffen verlor er an Bedeutung, hielt sich in offenem Gelände aber regional bis in das 18. und 19. Jahrhundert.
Heutiger Sport auf der Bahn
Das moderne berittene Bogenschießen verwendet nur selten Originalnachbauten, sondern meist faserverstärkte Kompositbögen in alter Bauform. Die ungarische Variante geht auf Kassai Lajos zurück, der in den späten 1980er-Jahren ein Regelwerk entwickelte; sie wurde ab den 1990ern in Europa, den USA und Kanada bekannt. Typisch ist eine 90 m lange Bahn, Pfeile werden aus der Bogenhand gegriffen.
Die koreanische Variante kennt fünf Disziplinen. Beim Einzelschuss reitet der Schütze eine 90-m-Bahn, ein Ziel steht 5 bis 10 m seitlich, es zählen bis zu fünf Punkte, und jeder der zwei Ritte muss in 16 Sekunden gelingen. Weitere Formen sind Doppel- und Serienschuss auf 110 m mit fünf Zielen. Hinzu kommen Verbandsstrukturen: WFEA gründete sich 1994, WHAF 2004, IHAA 2013.
Abgrenzung zu Yumi und Recurve
Auch der japanische Yumi ist ein Kompositbogen, aber asymmetrisch und viel länger; gebaut ist er aus Holz und Bambus. Vom olympischen Recurve unterscheidet den Reiterbogen vor allem das Fehlen von Visier und Stabilisatoren und die Notwendigkeit, den Pfeil schnell und gleichmäßig zu schießen. Die Technik ist kompakter und direkter, weil Klicker und feste Ankerpunkte entfallen. Wer berittenes Schießen lernen möchte, beginnt meist erst zu Fuß am Boden und wechselt später aufs Pferd.
Für Nachbauten gilt eine einfache Regel: Kompositbögen immer trocken lagern und nie ohne Pfeil lösen. Die Sehne wird erst unmittelbar vor dem Schießen eingehängt, weil dauerhafte Spannung das Material belastet.
Für wen passt das?
- Du interessierst dich für Kompositbögen und ihre Geschichte
- Du reitest oder möchtest berittenes Schießen im Verein ausprobieren
- Du schießt gern schnell und instinktiv ohne Visier