Kurz eingeordnet: Der Englische Langbogen ist ein einteiliger, meist aus Eibe gefertigter Stabbogen etwa in Körpergröße, bekannt durch spätmittelalterliche Schlachten und heute eine eigene Klasse im traditionellen Schießen.
| Bauart | Einteiliger Stabbogen, Sehne berührt den Bogen nur an den Sehnenaufhängungen (Tips) |
|---|---|
| Typisches Holz | Eibe, ersatzweise Ulme |
| Querschnitt | Mary-Rose-Typ: tiefer D-Querschnitt mit rundem Bauch; später viktorianisch mit flacherem Bauch |
| Länge | Etwa Körpergröße des Schützen; Mary-Rose-Typ über 1,80 m |
| Historische Einsätze | Crécy (1346), Poitiers (1356), Azincourt/Agincourt (1415) |
| Schiffsfund | Mary Rose, gesunken am 19. Juli 1545, gehoben am 11. Oktober 1982; 172 von 250 Langbögen geborgen |
| Visier | Nein, instinktiv oder Gap-Shooting |
Eibenholz und eine Waffe mit Geschichte
Als Oberbegriff bezeichnet „Langbogen“ alle einfachen, stabförmigen Bögen mit profiliertem Querschnitt. Der Englische Langbogen ist die berühmteste Variante: Er wird meist aus Eibe, ersatzweise aus Ulme gefertigt und wurde im Spätmittelalter massenhaft eingesetzt. Englische und walisische Schützen machten sich bei Crécy 1346, Poitiers 1356 und Azincourt 1415 einen Namen. Viel konkreter wird die Quellenlage durch die Mary Rose, das 1545 vor Spithead gesunkene Kriegsschiff. Bei der Hebung 1982 wurden 172 der 250 an Bord geführten Langbögen sowie fast 4.000 Pfeile geborgen.
Gefertigt wurde aus Stämmen, die in Längsrichtung gespalten wurden. Wichtig war, dass der Rücken über die gesamte Länge denselben Jahresring bildete, sonst reißt das Holz zwischen den Ringen auf. Die Bauchseite aus Kernholz wurde anschließend schrittweise ausgedünnt, bis die Wurfarme gleichmäßig biegen – dieses Abstimmen heißt Tillern.
Merkmale und Handhabung
Zwei Kriterien trennen den Langbogen von anderen Bauformen: Seine Länge entspricht ungefähr der Körpergröße, und die Sehne berührt ihn nur an den Tips. Ein Mittelteil mit Visieraufnahmen gibt es nicht, auch ein Button fehlt. Gezielt wird nach Gefühl oder mit Gap-Shooting, abgelegt wird der Pfeil auf der Hand oder einer einfachen Auflage. Der Querschnitt unterscheidet den Mary-Rose-Typ mit rundem Bauch vom späteren viktorianischen Langbogen mit flacherem Bauch.
Im Alltag fordert der Langbogen sauberen Auszug und einen gleichmäßigen Anker, weil er Fehler weniger verzeiht als ein Recurve mit Stabilisatoren. Das Schießgefühl, die Haptik von Holz und der ruhige Schussablauf sind für viele der Hauptgrund, überhaupt damit zu beginnen.
Rechtliche und sportliche Einordnung
Nach dem deutschen Waffengesetz ist der Langbogen wie alle Bögen keine Schusswaffe. Als Waffe kann er nur gelten, wenn er seinem Wesen nach dazu bestimmt ist, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen – bei einem Sportbogen ist das nicht der Fall.
Im Wettkampf läuft der Langbogen meist in Sonderklassen oder unter „Traditional“ und „Longbow“ im 3D- und Feldbereich. In den Regeln für 3D-Turniere verlangt die Longbow-Division zum Beispiel mindestens 150 cm Bogenlänge. Verglichen mit dem Flachbogen sind die Wurfarme rundlich bis D-förmig und der Griff meist am breitesten Punkt; der Flachbogen hat eher rechteckige Querschnitte und einen schmaleren, tieferen Griff.
Für wen passt das?
- Du reizt das Schießen mit Holzbogen ohne Technik-Aufbau
- Du interessierst dich für Geschichte und möchtest traditionell trainieren
- Du möchtest in Feld- und 3D-Turnieren in Longbow- oder Traditional-Klassen starten