Kurz erklärt: Der Tiller beschreibt das Verhältnis der Abstände von oberem und unterem Wurfarm zur Sehne und bestimmt, wie ausgewogen der Bogen arbeitet.
Messen des Tillers
Man misst vom Wurfarmansatz am Mittelteil in einem rechten Winkel zur Sehne, einmal oben, einmal unten. Die Differenz der beiden Werte ist der Tiller. Verschiebt man das Wurfarm-Verhältnis, ändert sich die Lage des Drucks am Griff und damit die Flugbahn des Pfeils.
Positiv, negativ, gleich
- Positiver Tiller: oberer Abstand größer, der untere Arm arbeitet stärker. Häufig bei Fingerschützen.
- Neutraler Tiller: beide Werte gleich, oft bei Release-Schützen.
- Negativer Tiller: selten und meist unerwünscht.
Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt vom Pfeilauflagepunkt, Fingerzug und persönlichem Gefühl ab. Es gibt keinen einzigen richtigen Wert, aber einen Bereich, den der Hersteller nennt.
Einstellen im Alltag
Am Mittelteil sitzen Tillerschrauben, mit denen sich die Wurfarmneigung justieren lässt. Du drehst beide gleich weit, damit das Zuggewicht gleich bleibt. Danach prüfst du den Pfeilflug mit einem Papiertest. Zieht der Pfeil schief ab, kann ein falscher Tiller die Ursache sein.
Wichtig: Tillern ersetzt keine Technikarbeit. Wenn du zu stark mit der Zughand arbeitest, wirst du den Fehler nicht mit Schrauben beheben.
Der Begriff stammt aus dem Bogenbau mit Holz, wo Bogenbauer den Biegeverlauf der Wurfarme am Tillerstock prüften. Dort wurde Material abgetragen, bis beide Arme symmetrisch durchbogen. Bei Take-down-Bögen übernimmt das heute die Schraubmechanik, doch das Ziel ist dasselbe: ein ausgewogener, vorhersehbarer Lauf beim Lösen. Notiere Messwerte nach jeder Änderung, denn ein sauber dokumentierter Tiller macht späteres Nachjustieren nach einem Wurfarmwechsel deutlich einfacher.
Quelle: World Archery – Rulebook · Stand: Oktober 2026