Kurz eingeordnet: Der olympische Recurvebogen ist ein zerlegbarer Sportbogen mit nach vorn gebogenen Wurfarmen, Visier, Stabilisatoren und Klicker – die einzige Bogenart im bisherigen olympischen Programm.
| Bauart | Take-down-Recurve: Mittelteil und zwei Wurfarme, Wurfarmenden zeigen im ungespannten Zustand vom Schützen weg |
|---|---|
| Zugehörige Ausrüstung | Visier, Stabilisatoren, Klicker, Button und Pfeilauflage (Visier ja) |
| Regelwerk | World Archery (vormals FITA); in Deutschland über die Schützen- und Bogensportverbände |
| Olympische Distanz | 70 m für alle Einzel- und Teamwettbewerbe |
| Olympisch seit | Spiele 1900, 1904, 1908 und 1920, danach durchgehend seit 1972 |
| Wettkampfform | Duelle (Olympic Round) seit 1992; Satzsystem seit 2012; Mixed-Team seit Tokio 2020 |
| Zuggewicht-Angabe | Nennwert in lbs bei 28 Zoll (ca. 71 cm) Auszug, z. B. „66″ 46# @ 28″“ |
Vom Reflexbogen zur Olympia-Ausrüstung
Das Recurve-Prinzip ist uralt: Bögen, deren Wurfarme sich nach außen krümmen, verbreiteten sich laut gängiger Darstellung im zweiten Jahrtausend vor Christus über Ägypten und weite Teile Asiens. Der Vorteil liegt in der Energiebilanz. Ein Recurve speichert und überträgt mehr Energie als ein gerader Bogen gleicher Länge und darf deshalb kürzer ausfallen. Was du heute auf einem Wettkampfplatz siehst, ist die technisch ausgereifte Nachfahrenlinie dieser Bauform, gefertigt aus Holz- oder Carbonkernen, Glas- und Kohlefaser.
Im olympischen Programm taucht Bogenschießen 1900, 1904, 1908 und 1920 auf und ist seit 1972 bei jeder Austragung dabei. Anfangs entschied eine Doppelrunde über vier Distanzen, ab 1988 kam ein Teamwettbewerb dazu, seit 1992 gilt die Duellform mit direkten Begegnungen. 2012 wurde auf das Satzsystem umgestellt, und 2020 feierte das Mixed-Team Premiere.
Aufbau und Handhabung
Der Bogen besteht aus einem Mittelteil mit Griff und zwei Wurfarmen, die sich abnehmen lassen. Das erleichtert den Transport und erlaubt, Wurfarme mit anderem Zuggewicht aufzustecken, ohne alles neu zu kaufen. Am Mittelteil sitzen die typischen Anbauteile: ein Visier, mehrere Stabilisatoren zur Ruhigstellung und ein Klicker, der beim richtigen Auszug von der Pfeilspitze abfällt und so für gleichmäßigen Auszug sorgt. Die Pfeile liegen auf einer Auflage, der seitliche Druck wird vom Button abgefedert.
Gemessen wird das Zuggewicht üblicherweise in englischen Pfund und bezieht sich auf einen Standardauszug von 28 Zoll. Hat dein Auszug eine andere Länge, weicht das tatsächliche Zuggewicht ab; als grobe Faustregel gelten etwa zwei Pfund pro Zoll. Der Zuggewicht-Rechner auf dieser Seite hilft dir, das einzuordnen.
Einordnung zu verwandten Bogenarten
Vom Blankbogen unterscheidet den olympischen Recurve vor allem das Zubehör: Wer Visier und Stabilisator weglässt, schießt in einer anderen Klasse. Der Compoundbogen arbeitet dagegen mit Rollen und Kabeln, bietet einen Let-off und wird meist mit Release geschossen. Traditionelle Langbögen und Flachbögen setzen auf Instinkt statt Technikaufbau. Im Wettkampf nach World-Archery-Regeln stehen dem olympischen Recurve im Freien Scheiben mit 122 cm Durchmesser in 70 m Entfernung gegenüber; in der Halle sind es 18 m.
Wer neu einsteigt, beginnt häufig mit einem leichten Leih-Recurve im Verein und rüstet nach und nach auf. Das ist sinnvoll, weil sich Auszugslänge, Zuggewicht und Technik in den ersten Monaten noch verändern.
Für wen passt das?
- Du möchtest den Weg gehen, den auch Olympia-Schützen nutzen, und später aufrüsten
- Du magst Technik, Einstellarbeit und messbare Fortschritte mit Visier
- Du willst im Verein Wettkämpfe nach World-Archery-Regeln schießen