Bogenarten

Flachbogen

Kurz eingeordnet: Der Flachbogen hat breite, annähernd rechteckige Wurfarme ohne Recurve-Krümmung und einen schmaleren, tieferen Griff; er zählt zu den ältesten nachgewiesenen Bogenformen Europas.

Steckbrief Flachbogen
BauartWurfarme flach, relativ breit, annähernd rechteckiger Querschnitt; nicht gekrümmt (kein Recurve)
GriffSchmaler und tiefer als die Wurfarme, gerundete, nicht biegende Griffpartie
Typische Länge68–70 Zoll (ca. 172,5–178 cm)
HölzerUlme, Ahorn, Bergahorn, Hasel, Esche, Hickory, Osagedorn
Moderne BauweisenSelfbow aus einem Stück Holz, laminiert oder mit Glasfaser
Nachweis in EuropaSeit der Mittelsteinzeit archäologisch belegt
VisierNein

Eine alte Form mit flachem Profil

Ein Flachbogen unterscheidet sich vom runden Langbogen vor allem im Querschnitt: Seine Wurfarme sind breit und annähernd rechteckig, der Griff dagegen schmaler und tiefer. Diese Konstruktion ist in Europa seit der Mittelsteinzeit archäologisch nachgewiesen, bekannt sind zum Beispiel die Funde aus Dänemark im Moor von Holmegaard. Dort war meist Ulme der Werkstoff, bei den indigenen Völkern Nordamerikas dagegen häufig Osagedorn. Das Prinzip ist also weder an einen Kontinent noch an eine Epoche gebunden.

Beim Namen lohnt Vorsicht. „American Flatbow“ wird oft falsch für den amerikanischen Langbogen benutzt, der in den 1930er-Jahren entwickelt wurde und schmale Wurfarme sowie einen Griff ähnlicher Breite hat. Bezeichnungen sind also nicht immer eindeutig.

Material und Eigenschaften

Klassisch ist der Flachbogen ein Selfbow, geschnitzt aus einem einzigen Stück Holz. Heute sind ebenso laminierte Varianten und Bögen mit Glasfaser üblich. Forschung am englischen Langbogen kam übrigens zu dem Ergebnis, dass der einfache Rechteckquerschnitt günstig ist: Das Holz wird gleichmäßig beansprucht, die Wurfarme lassen sich leichter ausbalancieren. Typische Längen liegen bei 68 bis 70 Zoll, also etwa 172 bis 178 cm. Englische Langbögen sind meist 70 bis 72 Zoll lang, Kriegsbogen-Nachbauten 72 bis 76 Zoll.

Weil die Wurfarme breit sind und der Griff schmal ausfällt, liegt der Bogen gut in der Hand; mit mediterraner Zughand und sauber getillerten Wurfarmen lässt er sich ruhig schießen. Die Sehne berührt den Bogen nur an den Enden; ein Mittelteil mit Visieraufnahme existiert nicht.

Wo er im Sport vorkommt

In Regelwerken des traditionellen Bogensports taucht der Flachbogen in eigenen Klassen auf – etwa als „American Flatbow“ neben Barebow, Langbogen, Primitivbogen und Traditional in Feldverbänden. In Deutschland ordnet man ihn meist der Traditional- oder Langbogenklasse zu, je nach Veranstalter. Von Blankbogen und Recurve trennt ihn der Verzicht auf Bauelemente wie Button und Stabilisatoren.

Wer sich für einen Selbstbau interessiert, findet im Flachbogen eine dankbare Bauform: Werkzeugbedarf und Materialkosten sind überschaubar, die Formgebung lässt sich systematisch lernen. Das Ergebnis hängt dennoch stark von Holzwahl und Trocknung ab.

Beim Kauf zählen Länge, Zuggewicht und die Holzart weniger als der saubere Tiller. Prüfe außerdem die Sehnenaufhängungen und den Bauch der Wurfarme auf Risse; bei Holzbögen sind regelmäßige Sichtprüfungen Pflicht, bevor du scharf auszieht.

Für wen passt das?

  • Du suchst einen leisen, handwerklichen Bogen aus Holz
  • Du magst breite, gut ausgleichende Wurfarme statt Recurve-Technik
  • Du interessierst dich für Selbstbau und Traditionsklassen