Bogenarten

Primitivbogen

Kurz eingeordnet: Der Primitivbogen ist ein schlichter Holzbogen nach steinzeitlichem Vorbild, meist ein Selfbow aus einem einzigen Stück Holz ohne Mittelteil, Visier oder moderne Einlagen.

Steckbrief Primitivbogen
BauartSelfbow: gefertigt aus einem einzigen Stück Holz
MaterialLokales Holz, z. B. Ulme, Esche, Ahorn, Eiche, Hickory, Eibe
Älteste FundeStellmoor (Kiefernkernholz) und Holmegaard (Ulme), beides Nordeuropa
Alter erhaltener FragmenteBis etwa 10.000 Jahre (Mesolithikum)
LängeEtwa Körpergröße des Schützen, um langen Auszug zu erlauben
VisierNein
OlympischNein

Funde aus der Steinzeit

Bogen und Pfeil sind seit der späten Altsteinzeit belegt, also etwa seit 30.000 bis 10.000 Jahren vor Christus. Die ältesten erhaltenen Bogenfragmente stammen aus dem Mesolithikum und sind rund 10.000 Jahre alt. Zwei Fundorte prägen das Bild vom steinzeitlichen Selfbow: Stellmoor in Norddeutschland und Holmegaard in Dänemark. Der Stellmoor-Bogen bestand aus dem Kernholz der Waldkiefer, die ältesten Holmegaard-Bögen aus Ulmenholz kleinen Durchmessers. Diese Funde sind die Vorlage für viele Nachbauten.

Der Begriff „Primitivbogen“ meint dabei nichts Abwertendes. Er verweist auf die ursprüngliche, schlichte Konstruktion: Das Gerät wird aus wenigen Materialien und mit einfachem Werkzeug gebaut, ohne Metall, Glasfaser oder gar Kunststoff. Sehne, Pfeile und Befiederung folgen häufig derselben Linie.

Bau und Handhabung

Ein Selfbow ist ein einfacher Bogen aus einem einzigen Stück Holz. Zugelassen sind dabei in der Regel Hornnocken oder ein aufgebauter Griff, ohne dass der Bogen seinen Status verliert. Verwendet werden Hölzer, die lokal verfügbar sind: Esche, Ahorn, Ulme, Eiche, Hickory oder Eibe. Beim Bau wird die Wuchsrichtung des Holzes genau beachtet, weil Fehler im Faserverlauf zum Bruch führen können. Der Bogen sollte etwa so lang sein wie der Schütze, damit ein langer Auszug möglich ist.

Gezielt wird ohne Hilfsmittel, meist instinktiv. Der Bogen ist ein Gerät, das die Haltung und Zughand nicht kaschiert, was für das Lernen sogar ein Vorteil sein kann: Fehler werden sofort spürbar. Die Pfeile sind häufig aus Holz, die Sehne wird nach Vorlage in einem Kompromiss aus Haltbarkeit und Nähe zum Original gewählt.

Abgrenzung im Sport

Vom Flachbogen unterscheidet den Primitivbogen weniger die Form als die Haltung: Er soll bewusst ohne moderne Zutaten auskommen. In Feldverbänden führen manche Regelwerke den Primitivbogen als eigene Klasse neben Barebow, Langbogen und Traditional. Im Weitschießen ist er mit Holmegaard-ähnlichen Konstruktionen unter den „primitive flight“-Klassen anzutreffen.

Für Einsteiger ist ein Primitivbogen selten der erste Kauf, sondern oft ein zweites Gerät, das aus Neugier oder Interesse an Archäologie dazukommt. Die Handhabung verlangt etwas Geduld, belohnt dich aber mit einem sehr direkten Gefühl für den Schuss. Dabei gelten die gleichen Sicherheitsregeln wie bei jedem Bogen, besonders: nie ohne Pfeil lösen und Holz regelmäßig auf Risse prüfen.

Für wen passt das?

  • Du interessierst dich für Archäologie und möchtest authentisch schießen
  • Du baust gern selbst und willst Holzarten und Faserverlauf verstehen
  • Du suchst ein bewusst schlichtes Zweitgerät neben dem Sportbogen