Kurz eingeordnet: Der Blankbogen ist ein Recurve ohne Visier und ohne Stabilisatoren; gezielt wird über die Pfeilspitze, Entfernungen werden mit Stringwalking oder Face Walking ausgeglichen.
| Definition | Bogen ohne Visier und ohne Stabilisatoren (Bogenklasse nach World Archery) |
|---|---|
| Bauart | Recurve-Mittelteil mit zwei Wurfarmen, Pfeilauflage und Button; Gewichte am Griffstück erlaubt |
| Maximalmaß | Entspannter Bogen samt Zusatzgewichten muss durch einen Ring mit 12,2 cm Innendurchmesser passen |
| Ankertechniken | Stringwalking, Face Walking; Zielen über die Pfeilspitze |
| Distanzen nach WA-Target | Bis 18 m in der Halle und bis 50 m im Freien |
| Olympisch | Nein |
| Anerkennung blanker Compounds | Nicht bei World Archery; nach Wikipedia aber bei Deutschem Feldbogensportverband und DBSV |
Ein Bogen, der nichts anzeigt
Barebow, wie der Blankbogen international heißt, ist keine eigene Bauart, sondern eine Regelklasse. Gemeint ist ein Recurve, an dem weder Visier noch Stabilisatoren sitzen. Ein Klicker gehört ebenfalls nicht dazu. Erlaubt sind lediglich Zusatzgewichte direkt am Griffstück, damit der Bogen nach dem Lösen nicht nach hinten kippt. Weil bei diesem Aufbau der Schwerpunkt hinter dem Druckpunkt der Hand liegt, kippt ein ungewichteter Blankbogen sonst gern in Richtung Schützen. Die Grenze setzt der Ring: Der entspannte Bogen samt Gewichten muss durch eine Öffnung von 12,2 cm passen.
Zielen ohne Hilfen
Statt eines Visiers ist die Pfeilspitze selbst die Referenz. Das macht das Zielen ungenauer und erklärt die kürzeren Wettkampfdistanzen: bis 18 m in der Halle, bis 50 m im Freien, wo der olympische Recurve 70 m schießt. Um unterschiedliche Entfernungen zu treffen, gibt es zwei Verfahren. Beim Stringwalking greifst du die Sehne je nach Distanz höher oder tiefer, beim Face Walking bleibt der Griffpunkt an der Sehne gleich und du änderst die Ankerstelle im Gesicht. Beide Techniken lassen sich im Training sauber trennen und dann gezielt kombinieren; ein Mix von Anfang an verwirrt eher.
Beim Anker kommt meist der Zeigefinger an den Mundwinkel, anders als beim klassischen mediterranen Anker des visierschießenden Recurve-Schützen. Die Auflage und die Federkraft des Buttons werden wie beim Recurve abgestimmt.
Einordnung im Verein
In den Ergebnislisten steht der Blankbogen dem olympischen Recurve nicht weit nach, obwohl die Technik anders gelagert ist. Der instinktive Anteil ist höher als beim Visierschießen, die Systematik aber strenger als beim traditionellen Schießen mit Langbogen. Innerhalb von 3D- und Feldturnieren ist Barebow eine gängige Division. Langbogen und Jagdbogen fallen theoretisch ebenfalls unter diese Klasse, werden aber wegen der archaischen Materialien meist in Sonderklassen gewertet.
Auch Pfeilmaterialien sind weitgehend frei; was für den olympischen Recurve zugelassen ist, ist auch hier erlaubt. Markierungen am Bogen, die als Zielhilfe oder zur Distanzschätzung taugen, sind dagegen verboten.
Für den Einstieg gilt: Beginne mit einer festen Ankerstelle und einer klaren Pfeilspitzenreferenz, bevor du Stringwalking oder Face Walking dazunimmst. Wer gleichzeitig Technik, Distanz und Hilfsverfahren verändert, kann Fehlerquellen kaum noch trennen. Ein Trainingsbuch mit Notizen zu Griffpunkt und Distanz spart auf Dauer viel Zeit.
Für wen passt das?
- Du magst reduzierte Technik und willst Gefühl für Distanz entwickeln
- Du bist Recurve-Einsteiger und möchtest zunächst ohne Visier trainieren
- Du planst Feld- und 3D-Turniere, in denen Barebow eine Standard-Division ist