Disziplinen

Weitschießen

Kurz eingeordnet: Beim Weitschießen zählt allein die erreichte Entfernung: Spezialbögen und besonders leichte Pfeile werden auf einem großen, ebenen Gelände auf Maximalweite geschossen.

Steckbrief Weitschießen
ZielMaximale Schussweite; Genauigkeit und Durchschlagskraft spielen keine Rolle
GeländeGroße, ebene Fläche, z. B. ein Flugplatz
AblaufSechs Pfeile pro Passe, danach Einsammeln; Richter messen die weitesten Pfeile
Historischer RekordMahmoud Effendi, 1795, 482 Yards (441 m), Finsbury Fields, London
PfeileSehr kurz, „tonnenförmig“ (barrelled), verjüngen sich zur Mitte hin
HilfsmittelPfeilstütze oder türkisches „Siper“ bei sehr kurzen Pfeilen
BogenformenUnterschiedlich, teils ungewöhnlich wie Fußbögen

Ein Rekord aus London

Das Weitschießen hat eine lange und gut belegte Geschichte. Im Jahr 1795 schoss Mahmoud Effendi, Sekretär der türkischen Botschaft in London, auf Finsbury Fields 482 Yards, rund 441 m. Sein Pfeil war nur 14 Zoll, also etwa 36 cm lang. Im Osmanischen Reich gab es in Istanbul und anderen Städten eigene Pfeilfelder, sogenannte Ok-Meidan, auf denen solche Weiten geschossen wurden. Damit steht die Disziplin in einer eigenen Tradition, die von Handwerk, Ingenieursdenken und Sport geprägt ist.

Das Interesse hielt sich bis heute. Moderne Pfeile aus Carbon wurden unter anderem in der Suche nach mehr Reichweite entwickelt, und spezielle Wettkampfklassen unterscheiden sich nach Bogenart und Zuggewicht.

Gerät und Ablauf

Weil Treffsicherheit keine Rolle spielt, stehen Aerodynamik und Energie im Vordergrund. Pfeile sind extrem kurz und „tonnenförmig“ gefertigt: In der Mitte am dicksten, zu den Enden hin schlanker, um Gewicht und Luftwiderstand zu verringern. Sehr kurze Pfeile liegen nicht auf einer normalen Auflage, daher helfen Stützen oder das türkische Siper, eine Führung, die den Pfeil sicher hält. Die Bögen sind teils ungewöhnlich; zu den Sonderformen zählt der Fußbogen, bei dem die Beine mitarbeiten.

Gestartet wird auf einer großen, ebenen Fläche wie einem Flugplatz. Pro Passe werden sechs Pfeile geschossen, dann gesammelt. Je nach Regelwerk gibt es mehrere Passen pro Wettbewerb; Richter messen die weitesten Pfeile.

Abgrenzung zu Clout und Scheibe

Gegenüber dem Cloutschießen ist das Ziel nicht ein Punkt am Boden, sondern ein möglichst weiter Wurf. Das verlangt Ausrüstung am Rand des Möglichen: hohes Zuggewicht, Wurfarme mit besonders hoher Energie und ein Schussablauf, der die Kraft sauber überträgt. Bei der Scheibe im Freien entscheidet dagegen der Punkt, nicht die Weite.

Wer sich dafür interessiert, findet Weitschießen eher in Spezialvereinen oder bei Veranstaltungen von Traditionsverbänden als im normalen Vereinsbetrieb. Das Gelände muss frei sein, die Sicherheitszone groß, und die Pfeile fliegen unter Umständen Hunderte Meter. Ein erfahrener Betreuer ist hier unverzichtbar.

Für Sicherheit sorgt vor allem ein geschlossener Ablauf: Alle Schützen stehen auf einer Linie, ein Schießleiter gibt Start und Ende, und niemand betritt das Feld, solange noch Pfeile fliegen. Gerade bei großen Weiten sind Wetter und Windrichtung zu beachten.

Für wen passt das?

  • Du bist neugierig auf Bogen-Physik und Leistungsgrenzen
  • Du magst ungewöhnliche Spezialgeräte wie Fußbogen oder Siper
  • Du hast Zugang zu einem sehr großen, sicheren Gelände