Bögen & Bogenarten

Blankbogen: Schießen ohne Visier

· geprüft am · Redaktion Bogensportler

Junge Frau im Vollauszug mit Recurvebogen und Armschutz vor blauem Himmel

Beim Blankbogen (englisch Barebow) schießt du einen Recurvebogen ohne Visier und ohne Klicker, das Ziel peilst du über die Pfeilspitze, das Zielbild und feste Referenzpunkte an. Die Disziplin verlangt viel Gefühl für Distanz und einen sehr konstanten Ablauf.

Kurz zusammengefasst

Der Blankbogen ist ein Recurve ohne Visier. Statt Zielhilfe nutzt du Zielmethoden wie instinktives Schießen, Gap-Shooting, Stringwalking oder Face Walking. Wettkampfklassen gibt es in Halle, Feld und 3D. Einsteiger lernen am Blankbogen das Gefühl für Anker und Schussablauf besonders deutlich, weil kein Visier Fehler verdeckt. Die genauen Regeln zu Zubehör, Stabilisator und Stringwalking hängen vom jeweiligen Regelwerk ab.

Was ist ein Blankbogen?

Ein Blankbogen ist ein Recurvebogen ohne [[g:visier|Visier]], bei dem der Schütze nach Gefühl und festen Referenzpunkten zielt. Die Bezeichnung „blank“ kommt vom Fehlen jeder Zielhilfe; der Bogen selbst ist ein normaler Take-down-Recurve mit [[g:mittelteil|Mittelteil]] und [[g:wurfarme|Wurfarmen]].

Im Sport hat sich dafür die Klasse „Barebow“ etabliert. Auch der Deutsche Schützenbund und der [[g:dbsv|DBSV]] führen Blankbogen-Klassen in ihren Sportordnungen. Im [[v:blankbogen|Kompendium-Eintrag zum Blankbogen]] findest du die Bauart im Überblick.

Ein Vorteil für Einsteiger: Mit einem Recurve-Mittelteil lässt sich der Bogen schnell zum Blankbogen umrüsten, indem du Visier, Stabilisator und Klicker abbaust. Dadurch entfällt viel Einstellarbeit, dafür verlangen Technik und Zielgefühl mehr Aufmerksamkeit.

Wie zielst du ohne Visier?

Ohne Visier zielst du über Referenzpunkte: die Pfeilspitze, das Bild von Pfeil und Scheibe oder deine Körpermarken. Welche Methode du nutzt, hängt von Distanz und Vorliebe ab. Alle Methoden brauchen einen konstanten Anker und ein wiederholbares Zielbild.

Methode Prinzip Stärke Schwäche
Instinktives Schießen Zielen nach Gefühl, ohne feste Referenz schnell, natürlich Distanzgefühl muss lange trainiert werden
Gap-Shooting Pfeilspitze liegt über oder unter dem Ziel, Abstand („Gap“) wird gelernt systematisch, gut für wechselnde Distanzen Gaps je Distanz müssen auswendig gelernt werden
Stringwalking Zughand greift je nach Distanz tiefer oder höher an der Sehne Pfeilspitze bleibt auf dem Ziel Nockpunkt und Sehne müssen exakt eingestellt sein
Face Walking Ankerpunkt im Gesicht wird je Distanz verschoben kein Greifwechsel an der Sehne Anker verliert an Konstanz

Beim Stringwalking gilt die Regel: Je kürzer die Entfernung, desto tiefer greifst du an der Sehne. Gap-Shooting ist der gebräuchliche Einstieg, weil du ohne Sehnenmarkierung auskommst. Ob Stringwalking und Face Walking in einer bestimmten Klasse zulässig sind, prüfst du vor dem Wettkampf im aktuellen Regelwerk.

Welche Griffart und welchen Anker nutzt du am Blankbogen?

Am Blankbogen ist ein konstanter, tiefer oder seitlicher Anker nötig, damit die Pfeilspitze als Referenz dient. Üblich sind die Griffvarianten „Split Finger“ mit dem Zeigefinger über dem Pfeil oder „Three Under“ mit drei Fingern unter dem Pfeil, auch [[g:mediterraner-griff|mediterraner Griff]] genannt.

Three Under bringt das Auge näher an die Pfeillinie und hilft beim Zielen über die Spitze. Split Finger ist verbreitet, wenn der Griff am Anfang gelernt wird. Wichtig sind in beiden Fällen ein fester [[g:anker|Anker]] am Kinn oder Mundwinkel und eine stabile [[g:zughand|Zughand]]. Wer den Anker nicht wiederholen kann, wird auch mit perfekter Zielmethode streuen.

  1. Wähle Griffart und Ankerpunkt und halte beides mindestens zwei Wochen unverändert.
  2. Schieße auf eine feste Distanz, zum Beispiel 18 Meter in der Halle, und notiere die Treffer.
  3. Gleiche zunächst die Streuung in der Höhe über die Pfeilspitze aus, nicht über neue Technik.
  4. Erst wenn die Gruppe eng liegt, wechselst du auf andere Distanzen und lernst die Gaps.
  5. Dokumentiere die Gap-Werte je Distanz in einer Tabelle oder im Trainingsbuch.

Praxis-Tipp aus der Redaktion

Mach dir eine Gap-Karte: Notiere pro Distanz, wo die Pfeilspitze im Zielbild steht (zum Beispiel ‚Spitze am unteren Rand der Gelb-Zone bei 18 m‘). Nach zwei bis drei Trainingseinheiten ist die Karte so zuverlässig, dass du auf einer unbekannten Distanz sofort interpolieren kannst. Ein einfacher Notizzettel reicht; Genauigkeit gewinnst du durch gleiche Bedingungen, nicht durch Technik.

Für wen lohnt sich der Blankbogen?

Der Blankbogen lohnt sich für Schützen, die Technik und Gefühl trainieren wollen und wenig Zubehör pflegen möchten. Wer im Feld, im 3D-Parcours oder in Hallenrunden startet, findet in den Verbänden eigene Klassen und viele Mitstreiter.

Eine Entscheidungsregel: Wähle den Blankbogen, wenn du lieber eine einfache Ausrüstung hast und Distanzen über Erfahrung lernst. Wähle den Recurve mit Visier, wenn du reproduzierbare Einstellungen und maximale Präzision auf feste Distanzen suchst. Beide Wege teilen sich Grundtechnik, Anker und Schussablauf, du kannst also jederzeit wechseln.

Typische Fehler am Blankbogen sind ein wanderndes Zielbild, ein wechselnder Ankerpunkt und zu schwere Bögen. Weil kein Visier die Zielposition vorgibt, wirken sich kleine Unterschiede in Kopfhaltung und Anker sofort auf den Treffpunkt aus. Das Zuggewicht sollte deshalb niedrig genug sein, damit du den Auszug ruhig hältst. Mit dem [[t|Zuggewicht-Rechner]] findest du einen sinnvollen Startwert.

Welche Ausrüstung brauchst du für den Blankbogen?

Für den Blankbogen brauchst du einen Recurve in passender Länge, auf [[g:auszugslaenge|Auszug]] und [[g:zuggewicht|Zuggewicht]] abgestimmte Pfeile, [[g:armschutz|Armschutz]], [[g:tab|Tab]] und gegebenenfalls eine Sehnenmarkierung. Zubehör wie Visier und Klicker entfällt.

Die Pfeile müssen genau zum Bogen passen, denn ohne Visier fallen Streuungen durch falschen [[g:spine|Spine]] stärker auf. Das [[g:bogenschuetzenparadoxon|Bogenschützenparadoxon]] beschreibt, wie sich der Pfeil beim Abschuss um die Griffkante biegt; mit passendem Spine fliegt er sauber. Stabilisator und Gewichte, die in Regelwerken je nach Klasse erlaubt oder untersagt sind, liest du im Reglement nach.

Wichtiger Hinweis

Die Zulässigkeit von Stabilisatoren, Buttons und Gewichten sowie die Regeln zu Stringwalking und Face Walking unterscheiden sich je nach Regelwerk und Klasse. Prüfe vor dem Turnier das aktuelle Reglement von World Archery oder deinem Verband. Im Training gilt unabhängig davon: Pfeil nur an der Schießlinie einlegen, nie Leerschuss, Pfeile erst nach Freigabe holen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Blankbogen ist ein Recurve ohne Visier.
  • Gezielt wird über Pfeilspitze, Zielbild und feste Referenzpunkte.
  • Gap-Shooting ist der gängige Einstieg, Stringwalking der systematischere Ausbau.
  • Ein konstanter Anker ist wichtiger als jede Zielmethode.
  • Passende Pfeile mit richtigem Spine sind am Blankbogen besonders wichtig.
  • Regeln zu Zubehör und Zielmethoden stehen im Reglement der jeweiligen Klasse.

Häufige Fragen

Wie weit schießt man mit dem Blankbogen?

In der Halle meist auf 18 Meter, im Freien in Wettkämpfen der Barebow-Klasse häufig auf 50 Meter. Feld- und 3D-Parcours haben wechselnde Entfernungen.

Ist Blankbogen schwerer als Visier-Schießen?

Es fehlt die Zielhilfe, deshalb sind Distanzgefühl und Konstanz wichtiger. Einsteiger lernen am Blankbogen dafür früh eine saubere Technik.

Kann ich einen Recurve zum Blankbogen umbauen?

Ja. Du entfernst Visier, Stabilisator und Klicker und passt gegebenenfalls Nockpunkt und Auflage an. Beachte die Regeln der Klasse, in der du starten willst, und lass die Einstellungen nach dem Umbau im Verein kontrollieren, bevor du Pfeile schießt.

Welche Zielmethode sollte ich lernen?

Beginne mit Gap-Shooting oder instinktivem Schießen. Stringwalking lohnt, wenn du viele Distanzen schießt und Wert auf feste Referenzen legst. Wechsle die Methode nicht mitten in einer Saison, sonst fehlen dir die Vergleichswerte.

Quellen

Stand: Oktober 2026

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