Bögen & Bogenarten
Auszugslänge und Bogenlänge bestimmen

Deine Auszugslänge bestimmst du näherungsweise aus der Spannweite: Spannweite der ausgestreckten Arme in Zoll geteilt durch 2,5. Die Bogenlänge wählst du danach aus einer Herstellertabelle; für den Recurve ergibt sich meist 64 bis 72 Zoll.
Kurz zusammengefasst
Die Auszugslänge ist die Strecke, die du die Sehne bis zum Anker ziehst, gemessen nach AMO-Norm vom Nockpunkt der Sehne bis zum Griffdrehpunkt plus 1,75 Zoll. Aus der Spannweite lässt sie sich schätzen, genau misst sie ein Messpfeil im Verein. Aus der Auszugslänge folgen Bogenlänge, Pfeillänge und das tatsächliche Zuggewicht. Erwachsene liegen häufig zwischen etwa 27 und 30 Zoll. Wer die Länge falsch wählt, riskiert Verkrampfung, unsauberen Anker und zu kurze Pfeile.
Was ist die Auszugslänge, und warum ist sie wichtig?
Die Auszugslänge ist die Strecke, die die Sehne im Vollauszug vom Ruhezustand bis zu deinem Anker zurücklegt. Sie bestimmt Bogenlänge, Pfeillänge und das tatsächliche Zuggewicht; ein Fehler an dieser Stelle zieht sich durch die ganze Ausrüstung.
Nach der verbreiteten AMO-Definition misst du sie vom tiefsten Punkt der Nockkerbe auf der Sehne bis zum Drehpunkt des Griffs (Pivotpunkt) und addierst 1¾ Zoll. Das Ergebnis liegt üblicherweise bei Erwachsenen zwischen 27 und 30 Zoll, das entspricht etwa 69 bis 76 Zentimetern, bei Kindern darunter. 1 Zoll sind 2,54 Zentimeter.
Warum das zählt: Ein Zoll mehr Auszug bedeutet bei einem Recurve etwa 2 lbs mehr Haltekraft. Wer zu lang zieht, überlastet Schultern und verliert Kontrolle über den [[g:anker|Anker]]. Wer zu kurz zieht, nutzt den Bogen nicht aus, und die Pfeile fliegen unregelmäßig. Beide Fehler lassen sich im Training schwer erkennen, weil man sich an die falsche Haltung gewöhnt.
Wie bestimmst du die Auszugslänge selbst?
Du bestimmst die Auszugslänge am genauesten mit einem Messpfeil im Verein, grob schätzt du sie aus der Spannweite. Beide Methoden ergänzen sich: Die Schätzung liefert einen Startwert, der Messpfeil die endgültige Zahl.
- Stelle dich mit ausgestreckten Armen gerade an eine Wand und miss die Spannweite von Fingerspitze zu Fingerspitze in Zentimetern.
- Rechne die Spannweite in Zoll um, indem du durch 2,54 teilst.
- Teile das Ergebnis durch 2,5. Beispiel: 175 cm Spannweite sind rund 68,9 Zoll, geteilt durch 2,5 ergibt etwa 27,6 Zoll Auszugslänge.
- Prüfe die Schätzung im Verein mit einem Messpfeil (Draw-Check-Pfeil mit Skala) an einem leichten Leihbogen und lies die Länge im Vollauszug ab.
- Notiere den Wert und gib ihn bei jedem Bogen- und Pfeilkauf an.
Den Rechenweg übernimmt der [[t|Zuggewicht- und Auszugslängen-Rechner]]. Die Spannweitenformel ist eine Näherung; Körperbau, Armlänge und Technik verschieben die Werte um bis zu zwei Zoll. Wer sich also nach der Rechnung nicht wohlfühlt, vertraut dem Messpfeil.
Praxis-Tipp aus der Redaktion
Miss die Auszugslänge am Ende einer Trainingseinheit und nicht zu Beginn. Mit warmen Schultern ziehst du natürlicher und ohne die Verspannung, die man am Anfang oft hat. Lass dich von hinten oder von der Seite fotografieren. Ein Foto zeigt schnell, ob der Zughand-Ellenbogen auf Pfeilhöhe liegt und ob der Körper aus dem Lot gerät.
Welche Bogenlänge passt zu welcher Auszugslänge?
Die Bogenlänge richtet sich nach der Auszugslänge: Je länger du ziehst, desto länger sollte der Bogen sein. Das gilt, weil lange Bögen bei langem Auszug gleichmäßiger arbeiten und die Sehne weniger stark abwinkelt.
| Auszugslänge (Zoll) | empfohlene Recurve-Länge (Zoll) | typische Kombination |
|---|---|---|
| unter 26 | 64 | 23 Zoll Mittelteil + kurze Wurfarme |
| 26 bis 28 | 66 | 23 Zoll + mittlere Wurfarme |
| 28 bis 30 | 68 | 25 Zoll + mittlere Wurfarme |
| 30 bis 32 | 70 | 25 Zoll + lange oder 27 Zoll + mittlere |
| über 32 | 72 | 27 Zoll + lange Wurfarme |
Die Werte entsprechen gängigen Herstellertabellen und können je Modell leicht abweichen. Die Gesamtlänge setzt sich aus dem Mittelteil und zwei Wurfarmen zusammen. Beim [[g:take-down-bogen|Take-down-Bogen]] kombinierst du beide frei und kannst auch später auf längere Wurfarme wechseln.
Ein kurzer Bogen ist handlicher und für Feld und Wald praktisch. Er verlangt aber mehr Technik, weil die Sehne am Finger stärker abwinkelt. Lange Bögen gelten als ruhiger und gutmütiger, sind aber im Parcours sperriger. Für Einsteiger ist eine Länge um 66 bis 68 Zoll der übliche Kompromiss.
Woran erkennst du, dass die Auszugslänge nicht passt?
Eine falsche Auszugslänge zeigt sich an wiederkehrenden Symptomen im Schussbild und in der Haltung. Die folgende Diagnose-Reihenfolge hilft, die Ursache einzugrenzen, bevor du Material tauschst.
- Der Anker wandert von Schuss zu Schuss, weil die Hand nicht sicher am Kinn liegt: Auszug eher zu kurz.
- Der Bogenarm knickt ein oder die Schulter hebt sich im Auszug: Auszug eher zu lang.
- Du musst den Kopf nach vorn strecken, um die Sehne zu erreichen: Auszug zu lang oder Bogen zu schwer.
- Die Sehne schlägt regelmäßig gegen den Armschutz: Prüfe zuerst Griff und Standhöhe, dann den Auszug.
- Du erreichst den Klicker nicht sicher oder zu früh: Klickerlage und Auszug gemeinsam prüfen.
Ändere immer nur einen Wert pro Trainingseinheit: erst Pfeillänge, dann Bogenlänge, zuletzt Zuggewicht. Wenn du alle drei gleichzeitig änderst, weißt du nicht, welcher Schritt gewirkt hat. Hole dir bei Zweifeln eine zweite Meinung vom Trainer, weil man den eigenen Auszug selten objektiv beurteilt.
Wie wählst du die Pfeillänge passend zur Auszugslänge?
Die Pfeillänge beträgt deine Auszugslänge plus mindestens einen Zoll Sicherheitsreserve, bei vielen Schützen bis zu zwei Zoll. Die Reserve sorgt dafür, dass die Pfeilspitze im Vollauszug sicher vor der [[g:pfeilauflage|Pfeilauflage]] bleibt.
Gemessen wird der Pfeil von der Nockkerbe bis zum Schaftende ohne die [[g:spitze|Spitze]]. Ein zu kurzer Pfeil kann im Auszug über die Auflage rutschen und vom Bogen fallen oder die Hand verletzen. Zusammen mit dem [[g:zuggewicht|Zuggewicht]] bestimmt die Pfeillänge den passenden [[g:spine|Spine]]; ein längerer Pfeil verhält sich weicher.
Wichtiger Hinweis
Zu kurze Pfeile sind ein Sicherheitsrisiko. Schieße nie Pfeile, die im Vollauszug nicht deutlich vor der Auflage überstehen. Bei Carbonpfeilen gilt zusätzlich: Wenn ein Pfeil angeknackst ist oder beim Biegen knistert, sofort aussortieren, weil Splitter die Hand verletzen können. Im Zweifel kontrolliert der Verein oder Fachhändler die Passung.
Das Wichtigste in Kürze
- Spannweite in Zoll durch 2,5 ergibt die Auszugslänge als Schätzwert.
- Exakt misst du mit einem Messpfeil nach AMO (Nockpunkt bis Pivotpunkt plus 1,75 Zoll).
- Erwachsene liegen meist zwischen 27 und 30 Zoll.
- Aus der Auszugslänge folgen Bogenlänge, Pfeillänge und tatsächliches Zuggewicht.
- Pro Zoll Auszug ändert sich das Zuggewicht um etwa 2 lbs.
- Die Pfeillänge ist Auszug plus mindestens 1 Zoll Sicherheit.
Häufige Fragen
Wie lang sollte mein Recurve sein?
Für 28 bis 30 Zoll Auszug sind 68 Zoll üblich, für 26 bis 28 Zoll meist 66 Zoll. Die Tabelle gilt als Richtwert; im Zweifel berät dich der Verein.
Kann ich die Auszugslänge zu Hause messen?
Ja, grob über die Spannweite, geteilt durch 2,54 und danach durch 2,5. Genau misst du im Verein mit einem Messpfeil.
Verändert sich die Auszugslänge mit der Technik?
Ja. Mit besserer Haltung, mehr Beweglichkeit und anderem Anker kann sie sich um bis zu einen Zoll verändern. Überprüfe sie deshalb nach einigen Monaten erneut.
Wie lang sind Pfeile für Kinder?
Genau wie bei Erwachsenen: Auszugslänge plus mindestens ein Zoll Reserve. Kinderpfeile sind deshalb kürzer; messen solltest du die Länge im Verein.
Quellen
Stand: Oktober 2026
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