Schießtechnik
Der Schussablauf Schritt für Schritt

Der Schussablauf besteht aus zehn aufeinanderfolgenden Schritten: Stand, Pfeil auflegen, Griff, Heben, Auszug, Anker, Zielen, Lösen, Nachhalten und Auswertung. Wer sie jedes Mal gleich ausführt, schießt gleichmäßige Gruppen.
Ein reproduzierbarer Ablauf ist wichtiger als jede Ausrüstung. Der Stand legt die Basis, Auszug und Anker bringen Spannung auf, das Lösen gelingt aus der Rückenspannung, und das Nachhalten hält die Haltung bis der Pfeil trifft. Trainer teilen den Schuss in feste Phasen und üben jede einzeln. Wichtig ist die Sicherheit: Pfeil nur an der Schießlinie auflegen, nie leer lösen, Zielrichtung immer zur Scheibe.
Aus welchen Schritten besteht der Schussablauf?
Der Schussablauf lässt sich in zehn Schritte gliedern, die bei jedem Schuss gleich ausgeführt werden. Verbände und Trainer nutzen leicht abweichende Bezeichnungen, der Aufbau bleibt gleich.
- Stand: Die Füße stehen etwa schulterbreit und parallel zur Schussrichtung, der Körper bildet eine Linie zur Scheibe.
- Pfeil auflegen: Erst an der Schießlinie die Nocke auf die Sehne setzen und die Leitfeder vom Bogen wegzeigen lassen.
- Griff: Die Bogenhand liegt locker, der Druck sitzt am Daumenballen; die Zughand hakt die Sehne mit drei Fingern in den Fingerbeugen ein.
- Heben: Beide Arme heben den Bogen auf Zielhöhe, die Schultern bleiben tief.
- Auszug: Die Sehne wird mit dem Rücken gezogen, nicht mit dem Arm, bis die Hand am Anker liegt.
- Anker: Die Zughand liegt jedes Mal am gleichen Punkt, etwa unter dem Kinn oder an der Wange.
- Zielen und Halten: Zielbild oder Visier auf das Ziel richten, die Rückenspannung steigern.
- Lösen: Die Finger öffnen sich durch Entspannen, die Zughand gleitet entlang der Nackenlinie nach hinten.
- Nachhalten: Bogenarm und Position bleiben stehen, bis der Pfeil die Scheibe erreicht hat.
- Auswerten: Treffer, Gefühl und Haltung kurz prüfen, bevor der nächste Pfeil eingelegt wird.
Die Reihenfolge ist wichtiger als die Geschwindigkeit. Anfänger sollten den Ablauf in Gedanken sprechen, bis er sich einschleift.
Wie stehst du richtig, und wie hältst du den Bogen?
Der Stand ist richtig, wenn die Füße schulterbreit auf einer Linie zur Scheibe stehen und das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt ist. Die Hüften zeigen nach vorn, der Oberkörper bleibt aufrecht, der Kopf dreht sich zum Ziel.
Beim Bogenhalten drückt die Bogenhand locker gegen den Griff und liegt am Daumenballen auf; Finger und Handgelenk bleiben entspannt. Die Kraft kommt aus der Schulter, nicht aus der Hand. Wer den Bogen im festen Griff verkrampft, verdreht ihn beim Abschuss und verändert damit den Pfeilflug. Eine lockere Bogenhand lässt den Bogen nach dem Lösen nach vorn kippen, was durch eine [[g:fingerschlinge|Fingerschlinge]] oder Handschlaufe aufgefangen wird.
| Körperteil | Soll | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Füße | schulterbreit, Gewicht verteilt | zu eng oder auf einer Seite |
| Bogenschulter | tief, entspannt | hochgezogen |
| Bogenarm | gestreckt, Ellenbogen stabil | überstreckt oder eingeknickt |
| Kopf | aufrecht, Blick zum Ziel | zum Bogen geneigt |
| Zughand | locker, Finger hakend | verkrampft, Handgelenk geknickt |
Wie gelingen Auszug, Anker und Zielen?
Der Auszug gelingt, wenn du die Sehne mit der Rückenmuskulatur nach hinten ziehst, die Schulterblätter zusammenführst und die Zughand dicht am Körper entlangführst. Du hältst nicht mit dem Unterarm, sondern lässt den Ellenbogen weit nach hinten wandern.
Am Anker liegt die Zughand immer an derselben Stelle, zum Beispiel mit dem Zeigefinger am Kieferwinkel oder mit der Sehne an Kinn und Nase. Ein fester Anker sorgt dafür, dass der Pfeil jedes Mal gleich zur Scheibe zeigt. Sobald die Hand am Anker ruht, beginnt die Phase des Zielens und die Rückenspannung nimmt zu. Ein [[g:klicker|Klicker]], falls vorhanden, gibt ein akustisches Signal, sobald der Auszug seine Endlänge erreicht; erst dann löst du.
Beim Zielen unterscheidest du Visier-Schießen von Methoden ohne Visier, etwa [[g:instinktives-schiessen|instinktives Schießen]] oder [[g:gap-shooting|Gap-Shooting]]. Unabhängig von der Methode ist das [[g:zielbild|Zielbild]], also die Lage von Visier, Pfeil und Ziel zueinander, immer gleich.
Übe den Ablauf ohne Pfeil mit einem Gummiband (Elastikband) oder einem sehr leichten Bogen. Ohne Zuggewicht und ohne Scheibe achtest du nur auf drei Dinge: Rückenspannung, Anker, Nachhalten. Zehn saubere Wiederholungen vor jeder Einheit wirken besser als ein langes Training mit lockerer Technik. Filme dich dabei von hinten und von der Seite.
Wie löst du richtig und hältst nach?
Du löst richtig, wenn die Finger sich durch Entspannen öffnen und die Zughand nach dem Abschuss hinter dem Ohr weiterläuft. Ein aktives Loslassen oder Zucken der Hand gibt dem Pfeil Seitwärtsimpulse und führt zu Streuung.
Nachhalten bedeutet, dass Bogenarm, Haltung und Blick bis zum Einschlag unverändert bleiben. Das trainiert den Bewegungsablauf und verhindert, dass du den Bogen vorzeitig absenkst. Ein typischer Fehler ist das Wegreißen der Zughand zur Seite oder nach vorn: Sie sollte in der Verlängerung der Pfeillinie nach hinten wandern.
Erst nach dem Nachhalten senkst du den Bogen ab. Prüfe dann kurz Treffer und Gefühl: Lag der Pfeil wie erwartet? War der Ablauf sauber? Notiere Auffälligkeiten im Trainingsbuch, damit du systematisch korrigierst.
Löse nur, wenn ein Pfeil auf der Sehne liegt und die Scheibe frei ist. Ein Schuss ohne Pfeil (Leerschuss) zerstört Wurfarme und Sehne und gefährdet dich. Zieh den Bogen nie auf Personen, auf Tiere oder in Richtung einer nicht gesicherten Fläche. Pfeile holst du erst, wenn alle Schützen ihre Bögen abgelegt haben und die Freigabe erteilt wurde.
Was ändert sich beim Compound?
Beim Compound bleibt die Struktur des Ablaufs gleich, aber [[g:release|Release]] und [[g:peep-sight|Peep Sight]] verändern Anker und Lösen. Du löst nicht mit den Fingern, sondern mit einem Auslöser am Handgelenk oder an den Fingern, und das Zielen läuft über Visier und Peep.
Wegen des [[g:let-off|Let-offs]] ist die Haltephase leichter, dafür ist der Auszug am Anfang härter. Der Rückenspannungs-Gedanke bleibt: Bei einem Back-Tension-Release löst der Schuss durch gesteigerte Rückenspannung aus, nicht durch bewusstes Drücken. Ein Zucken am Trigger bringt dieselbe Streuung wie ein gezuckter Finger beim Recurve.
Die Sicherheitsregeln sind identisch, mit einer Ergänzung: Compoundbögen speichern viel Energie und dürfen ohne Pfeil nie gelöst werden. Wartung wie Sehnenwechsel gehört in die Hände von Fachwerkstätten.
- Der Schuss gliedert sich in zehn Phasen vom Stand bis zur Auswertung.
- Gezogen wird mit dem Rücken, nicht mit dem Arm.
- Ein fester Anker macht jeden Pfeil reproduzierbar.
- Das Lösen erfolgt durch Entspannen der Finger, nicht durch aktives Loslassen.
- Nachhalten stabilisiert die Haltung bis zum Einschlag.
- Pfeil nur an der Schießlinie auflegen, nie leer schießen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Schuss?
Ein Schuss dauert in der Regel wenige Sekunden bis etwa eine halbe Minute. Wichtig ist der gleichmäßige Rhythmus, nicht die Geschwindigkeit.
Was ist wichtiger, Zielen oder Technik?
Technik, denn ein sauberer Ablauf bringt den Pfeil auch ohne perfektes Zielen in die Nähe. Das Zielen verfeinert das Ergebnis.
Warum zittert mein Bogenarm?
Meist ist das Zuggewicht zu hoch oder die Haltung zu verspannt. Senke das Gewicht, entspanne die Schulter und kürze die Haltezeit.
Wie übe ich den Ablauf ohne Bogen?
Mit einem Gummiband und einem Spiegel oder Video. Du kannst Stand, Auszug und Nachhalten auch ohne Pfeil trainieren, solange du den Bogen nicht löst.
Quellen
Stand: Oktober 2026