Pfeile & Zubehör
Pfeile auswählen: Spine, Länge und Gewicht

Die passenden Pfeile bestimmst du über drei Werte: Pfeillänge (Auszugslänge plus mindestens 1 Zoll), Spine (Steifigkeit passend zu Zuggewicht, Länge und Spitzengewicht) und Gesamtgewicht in Grain. Der Spine ist dabei die kritische Größe.
Pfeile müssen zum Bogen passen, nicht umgekehrt. Die Länge richtet sich nach der Auszugslänge, der Spine nach Zuggewicht, Pfeillänge und Spitzengewicht, das Gesamtgewicht nach dem Mindestwert des Bogenherstellers. Ein zu weicher Pfeil fliegt nach einer Seite weg, ein zu steifer nach der anderen. Die Herstellertabellen liefern den Startwert, ein Test mit Pfeilen ohne Befiederung (Bare-Shaft-Test) prüft ihn. Dein Verein hilft dir bei der Auswahl.
Welche Pfeillänge brauchst du?
Die Pfeillänge beträgt deine Auszugslänge plus mindestens 1 Zoll, bei vielen Schützen bis zu 2 Zoll. Sie wird von der Nockkerbe bis zum Schaftende gemessen, die [[g:spitze|Spitze]] zählt nicht mit.
Der Überstand sorgt dafür, dass die Pfeilspitze im Vollauszug sicher vor der [[g:pfeilauflage|Pfeilauflage]] bleibt. Bei einer Auszugslänge von 28 Zoll entspricht das einem Pfeil von 29 bis 30 Zoll. Wie du die Auszugslänge ermittelst, steht im Artikel zur Auszugs- und Bogenlänge; der [[t|Rechner]] unterstützt dich dabei.
Zu kurze Pfeile sind ein Sicherheitsrisiko, weil sie im Auszug von der Auflage rutschen können. Zu lange Pfeile dagegen verändern den Spine und verschlechtern die Flugbahn: Jeder zusätzliche Zoll macht den Pfeil dynamisch weicher. Orientiere dich beim Kauf deshalb an der gemessenen Länge, nicht an Standardlängen.
Was bedeutet Spine, und wie wählst du ihn?
Der Spine gibt die Steifigkeit des Pfeilschafts an. Nach der gängigen AMO/ARC-Norm wird ein Schaft zwischen zwei Auflagepunkten im Abstand von 28 Zoll mit 880 Gramm (rund 1,94 lbs) belastet und die Durchbiegung in tausendstel Zoll gemessen. Spine 500 heißt also 0,500 Zoll Durchbiegung.
Daraus folgt eine Regel, die oft verwechselt wird: Je kleiner die Spine-Zahl, desto steifer der Pfeil. Ein Schaft mit Spine 400 ist steifer als einer mit Spine 600. Der passende Wert hängt von mehreren Faktoren ab, die sich gegenseitig beeinflussen:
| Wenn sich dieser Wert erhöht … | … verhält sich der Pfeil dynamisch … | … du brauchst Spine-Zahl |
|---|---|---|
| Zuggewicht steigt | weicher | niedriger (steifer) |
| Pfeillänge steigt | weicher | niedriger (steifer) |
| Spitzengewicht steigt | weicher | niedriger (steifer) |
| Zuggewicht sinkt | steifer | höher (weicher) |
| Pfeillänge sinkt | steifer | höher (weicher) |
Praktisch nimmst du die Tabelle des Pfeilherstellers (zum Beispiel Easton) und liest Spine zu Zuggewicht, Pfeillänge und Spitzengewicht ab. Den Wert prüfst du mit einem Bare-Shaft-Test: Ein Pfeil ohne [[g:befiederung|Befiederung]] zeigt, ob der Spine passt. Landet er links oder rechts neben den befiederten Pfeilen, ist der Schaft zu steif oder zu weich. Der Hintergrund ist das [[g:bogenschuetzenparadoxon|Bogenschützenparadoxon]]: Der Pfeil biegt sich beim Abschuss um den Griff herum und muss dabei genau richtig schwingen.
Beginne beim Wechsel der Pfeile nie mit dem ganzen Satz. Bestelle zuerst zwei bis drei Pfeile in zwei benachbarten Spine-Stufen und schieße sie im Bare-Shaft-Test auf 18 Meter. Erst wenn feststeht, welcher Spine die Gruppe schließt, kaufst du einen vollständigen Satz. Das spart Geld, weil Pfeile mit falschem Spine kaum zu verkaufen sind.
Wie schwer sollen die Pfeile sein?
Das Pfeilgewicht wird in Grain angegeben (1 Grain entspricht 0,0648 Gramm) und setzt sich aus Schaft, [[g:spitze|Spitze]], [[g:nocke|Nocke]] und [[g:befiederung|Befiederung]] zusammen. Mit steigendem Zuggewicht braucht ein Pfeil ein Mindestgewicht, damit die Energie sicher vom Bogen aufgenommen wird.
Bogenhersteller geben Mindestwerte im Handbuch an, häufig in der Größenordnung von etwa 5 grain pro lb Zuggewicht beim Recurve; traditionelle Bögen verlangen oft mehr. Ein zu leichter Pfeil kann Wurfarme und Sehne belasten, weil der Bogen die Energie nicht abgeben kann. Das [[g:pfeilgewicht|Pfeilgewicht]] lässt sich über die Spitze und über Einlegegewichte steuern.
Ein weiterer Wert ist der Schwerpunktanteil [[g:foc|FOC]] (Front of Center). Er beschreibt, wie weit der Schwerpunkt des Pfeils vor der Pfeilmitte liegt. Für Zielpfeile liegt er häufig im Bereich von etwa 10 bis 15 Prozent; ein höherer FOC stabilisiert den Flug, kann den Spine aber verschieben.
Welche Spitze und Nocke gehören an den Pfeil?
Spitze und Nocke bestimmen Gewicht und Sitz des Pfeils auf der Sehne. Die Spitze beeinflusst dazu den Spine: Eine schwerere Spitze lässt den Schaft dynamisch weicher wirken.
Für das Scheibenschießen sind Zielspitzen aus Stahl oder Messing üblich, im Feld und im 3D-Parcours kommen Feldspitzen und für Schaumziele geeignete Spitzen dazu. Gängige Spitzengewichte liegen im Bereich von etwa 80 bis 125 grain; die genaue Größe hängt vom Schaftinnendurchmesser ab und steht in der Herstellertabelle.
Die [[g:nocke|Nocke]] muss zur Sehne passen. Sie soll mit leichtem Widerstand auf der Sehne sitzen und beim Auszug nicht herunterfallen. Sitzt sie zu locker, kann der Pfeil beim Auszug von der Sehne rutschen; sitzt sie zu fest, lässt sich der Pfeil schwer lösen und die Streuung steigt. Prüfe den Sitz beim Kauf der Sehne und der Pfeile gemeinsam.
Alle Wechsel an Spitze oder Nocke sind klein, aber wirksam. Ändere sie nur einzeln und teste das Ergebnis mit dem Bare-Shaft-Test, bevor du den nächsten Wert änderst.
In welcher Reihenfolge kaufst du Pfeile richtig?
Kaufe Pfeile in fester Reihenfolge: erst Auszugs- und Pfeillänge klären, dann Zuggewicht festlegen, danach Spine und Material wählen, zuletzt Spitze und Befiederung. Wer die Reihenfolge umdreht, kauft häufig doppelt.
- Auszugslänge messen und Pfeillänge bestimmen (Auszug plus 1 bis 2 Zoll).
- Zuggewicht am eigenen Auszug berechnen oder vom Verein bestätigen lassen.
- Spine nach Herstellertabelle bestimmen und die Spitzengewichts-Spalte beachten.
- Material wählen: Carbon für die meisten Recurve-Schützen, Aluminium oder Holz für spezielle Anforderungen.
- Pfeile mit Nocke, Spitze und Befiederung bestellen und mit dem Bare-Shaft-Test prüfen.
Beschädigte Pfeile sofort aussortieren. Bei Carbon gilt: Ein Schaft mit Riss oder Knistern beim Biegen kann beim Abschuss splittern und zu schweren Handverletzungen führen. Prüfe vor jedem Training jeden Pfeil durch Rollen auf ebener Fläche und leichtes Biegen. Vor dem Schuss darf nie jemand vor oder neben der Schießlinie stehen.
- Pfeillänge ist Auszugslänge plus 1 bis 2 Zoll, gemessen von der Nockkerbe.
- Der Spine gibt die Steifigkeit an; kleinere Zahl bedeutet steifer.
- Mehr Zuggewicht, Länge oder Spitzengewicht verlangen einen steiferen Schaft.
- Das Mindestgewicht des Pfeils steht in der Anleitung des Bogenherstellers.
- Der Bare-Shaft-Test prüft, ob der Spine passt.
- Beschädigte Carbonpfeile gehören nicht mehr in den Bogen.
Häufige Fragen
Was passiert bei falschem Spine?
Der Pfeil schwingt beim Abschuss falsch, die Treffer liegen links oder rechts neben der Gruppe und lassen sich nicht sauber nachstellen. Bei sehr falschem Spine drohen Schäden an Bogen und Pfeil.
Brauche ich für jedes Zuggewicht andere Pfeile?
In der Regel ja. Wer das Zuggewicht um mehr als einige Pfund ändert, muss den Spine neu prüfen und Pfeile eventuell tauschen.
Wie lang dürfen Pfeile höchstens sein?
So lang wie nötig, aber nicht länger. Zu lange Pfeile verändern den Spine und das Gewicht. Maßgeblich ist die Auszugslänge plus Sicherheitsreserve.
Kann ich Pfeile ohne Bare-Shaft-Test kaufen?
Du kannst, solltest dann aber auf die Herstellertabelle achten und die Passung im Verein prüfen lassen. Der Test liefert aber die zuverlässigste Aussage zum Spine.
Quellen
- World Archery: Regelwerk (Rulebook)
- Easton Archery: Herstellerinformationen zu Pfeilen
- Wikipedia: Bogenschießen
Stand: Oktober 2026